• Rassismus

    Auf die rassistischen Vorfälle, denen indische Studenten in Australien kürzlich zum Opfer fielen, reagierte man in Indien geschockt, fassungslos und wütend. Die Opposition fordert gar, die indische Regierung solle Stellung dazu nehmen, was sie zum Schutze indischer Studenten in Australien denn bereits unternehme und in Zukunft zu unternehmen gedenke. Doch in Hinblick auf diese Entwicklungen ist das Magazin Outlook mit einer eher unerwarteten Titelstory aufmarschiert: Aren't We Racist, too? fragt das Titelbild der aktuellen Ausgabe.

    Ich verlinke die Sammlung der Beiträge an dieser Stelle einfach ohne wertenden Kommentar; nicht weil ich Australien angreifen oder in Schutz nehmen möchte, sondern einfach, weil ich der Meinung bin, diese Artikel liefern einen sehr guten Einblick in den indischen Verhaltensalltag und beleuchten ein Tabuthema des Subkontinents.

    Zu den Artikeln: (Englisch)
    Our True Colours - Die dreiteilige Titelgeschichte über den recht offen gelebten, indischen Hang zur hellen Hautfarbe
    Doubly Deprived - Über die doppelte Benachteiligung dunkelhäutiger Waisenkinder im Adoptionsverfahren
    Cornered At Home - Über die Ausgrenzung nordostindischer Staatsbürger im eigenen Land
    "India is Racist, And Happy About it" - Die Erfahrungen eines Afroamerikaners auf Indiens Straßen
    Brownian Notions - Die Vorurteile der NRIs (Non-Resident Indians)

  • Indische Börse reagiert mit Rekordanstieg auf Wahlergebnisse

    Der 18. Mai hat sich an der indischen Börse den Zusatz "Goldener Montag" verdient, nachdem das Investitionsverhalten in Reaktion auf die Wahlergebnisse vom Sonntag zu einem Rekordanstieg von 10,73% (BSE sensex) bzw. 14,48% (NSE nifty) innerhalb der ersten 30 Sekunden nach Börsenbeginn geführt hat. Dieser Anstieg brach die Schallgrenze von 10% und führte daraufhin zu einer einstündigen Unterbrechung des Marktes, welche Diskussionen zwischen Bombay Stock Exchange und National Stock Exchange folgend auf zwei Stunden verlängert wurde. Der Handel sollte 11:55Uhr (Ortszeit) fortgeführt werden, doch innerhalb weniger Sekunden wurden sämtliche Geschäfte für den gesamten Tag ausgesetzt, nachdem der BSE sensex um 17,24% oder 2099 Punkte auf 14,272 angestiegen war. Der NSE nifty kletterte um 17,33% oder 636 Punkte auf 4308. Es ist das erste Mal, dass die indische Börse auf Grund eines schlagartigen Anstieges für einen gesamten Tag schließen musste.

    Dieser Rekordanstieg ist auf die Ergebnisse der Parlamentswahlen zurückzuführen, welche nach über einem Monat Wahlmarathon am vergangenen Wochenende bekannt gegeben wurden. Die Congresspartei hatte einen überragenden Sieg eingefahren und verspricht Investoren eine stabilere Regierung als die der letzten fünf Jahre. Die Abwesenheit der Linken füttert zudem die Erwartung durchgreifender ökonomischer Reformen und hat generell zur fantastischen Aufbruchsstimmung beigetragen. Inwieweit sich der Siegeszug der Börse fortsetzen wird oder ob es sich um eine weitere zu berstende Blase handelt, hängt unter anderem davon ab, ob die neue Regierung unter Dr. Manmohan Singh den Erwartungen der Wählerschaft gerecht werden kann. Singh hatte u.a. ein straffes 100-Tage-Programm versprochen, welches vor allen Dingen die Infrastruktur ankurbeln sollte, um Indiens Wachstum nachhaltig stabil zu gestalten, sich rasant entwickelnde Wachstumsinseln zu verknüpfen und auch das ländliche Volk durch soziale Wachstumspakete anzuspornen, den Binnenmarkt mit gesunder Nachfrage zu stimulieren.

  • Maoistische Angriffe auf Erste Phase indischer Parlamentswahlen

    Am 16. April setzte die erste Phase der indischen Parlamentswahlen ein, die sich insgesamt auf einen Monat erstrecken und in fünf Phasen aufteilen wird. Gestern schritten insgesamt 17 Bundesstaaten an die Wahlurnen.

    Während 14 Angriffen von Maoisten (in Indien als Naxaliten bekannt) auf Wahlstellen kam es zu insgesamt 17 Todesopfern. Ziel dieser Angriffe waren nicht die Wähler sondern hauptsächlich Sicherheitskräfte sowie Wahlbeauftragte. Helikopter mussten ausgesandt werden, um ins Kreuzfeuer geratene Armeekräfte zu evakuieren.

    Maoisten/Naxaliten nutzten sowohl Landminen als auch Raketenwerfer, um ihren Aufruf zum Boykott der Wahlen durchzusetzen. Man geht davon aus, dass diese Angriffe weit im Voraus geplant worden waren.

    Zur Absicherung gegen Terroranschläge durch Maoisten hatte man im Vorfeld Polizisten und paramilitärische Kräfte besonders entlang des sog. Roten Korridors positioniert, d.h. entlang dicht bewaldeter Gebiete, die als Hochburg der Maoisten gelten.

    Laut Wahlkommission lag die Wahlbeteiligung bisher zwischen 46 und 86%, wobei die Wahlbeteiligung in den von Gewaltanschlägen betroffenen Gegenden niedriger ausfiel.

    Fotolink:
    Dorfbewohner in Orissa stehen zur Wahl an

    Ariktel:
    Washington Post (Englisch) - Ausführlicher, aufschlussreicher Beitrag zu den Wahlen und den maoistischen Angriffen

  • Dürrezustände bedrohen indische Tee-Ernte

    Bisher verhieß 2009 für die Tee-Ernte Indiens nichts Gutes: Dürrezustände bedrohen unter anderem die großen Teeplantagen im nordostindischen Bundesstaat Assam sowie im ostindischen West Bengalen, aus welchen Gebieten rund 75% des gesamten Tee-Ertrags Indiens stammen. Indien gilt als zweitgrößter Teehersteller und -exporteur (980Mio kg im vergangenen Jahr). Die erste Ernte beginnt normalerweise im März, doch auf Grund der Hitzewelle rechnet man mit einem rund 50%igen Ernteeinbruch. Im gesamten Erntejahr schlägt sich dies mit ca. 5 bis 6% nieder, doch die Tragik im Verlust der ersten Ernte liegt darin begründet, dass sie für die qualitativ hochwertigsten Teeblätter bekannt ist.

    Industrieinsider rechnen damit, dass sich der Verlust in absoluten Zahlen mit 25 bis 45 Millionen Kilogramm ausdrücken könnte, was innerhalb der nächsten sechs Monate zur Verhärtung der Teepreise führen wird. Bereits Anfang März waren die Teepreise gegenüber dem letzten Jahr um 21% gestiegen.

    Weiter zum Artikel (Englisch)

  • Mangelernährung in Madhya Pradesh

    Kein neuer, dafür aber ein wichtiger Beitrag zum Thema Mangelernährung findet sich in der aktuellen Ausgabe des englischsprachigen Nachrichtenmagazins Tehelka. Darin geht es um die fatalen Ausmaße der Mangelernährung im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh, die Apathie (und Dementierungen) staatlicher Agenturen sowie das abgeklärte Schulterzucken Betroffener, die sich ihrer Lage sowie der Auswegslosigkeit derselben durchaus bewusst sind.

    Artikellink:
    Weight Listed

  • Bombenanschläge in Assam

    Donnerstag Mittag wurde der nordostindische Bundesstaat Assam von 13 Bombenanschlägen heimgesucht, die alle zwischen 11:28 und 12:35Uhr stattfanden. Die Zeitungen berichten momentan von 77 Todesopfern und ca. 470 Verletzten.
    Noch hat sich niemand zu den Anschlägen bekannt, doch man geht davon aus, dass die ULFA (United Liberation Front of Asom) oder HuJI (Harkat-ul-Jihad-al-Islami) für die Anschläge verantwortlich gemacht werden können. Im schlimmsten Falle, so die Hindustan Times, muss man von einer Zusammenarbeit der beiden Organisationen ausgehen.
    Sechs der Bomben explodierten in der Landeshaupt Guwahati und führten zu 41 Todesopfern. Weitere drei Bomben explodierten in Bokrajhar, eine in Bongaigaon und drei weitere in Barpeta.

    In den vergangenen sieben Monaten ist es in ganz Indien zu 63 Bombenanschlägen (verteilt auf sieben Bundesstaaten) gekommen. Die Bomben in Assam gehören zu den bisher verhehrendsten.

    Artikellinks:
    Deutsch:
    Süddeutsche Zeitung

    Englisch:
    BBC News (Fotos)
    Hindustan Times (Fotos)
    The Indian Express (Artikel)
    Weitere Bomben in Assam 2008

    Liste der in Indien aktiven Terrororganisationen
    mit Definition nd Hintergrundinformationen

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